Mission: Österreichische Küche mit Lenalicious

“Die Zukunft des Fleisches” – ein Event, das vor Kurzem in Wien stattgefunden hat, ist Auslöser eines Projektes, das ihr in Zukunft auf meinem Blog vorfinden werdet. Die liebe Bloggerkollegin Magdalena Hesser (Lenalicious) hat das Event besucht und durch ihre super Nachberichte (Teil 1 | Teil 2 | Teil 3) sind wir ins Gespräch gekommen. Auf Lena’s Blog findet ihr köstliche vegetarische Rezepte, Yoga und ihre spannende Namibia-Reise.

Lena mit Schwarzwälderkirschtorte
Darf ich vorstellen – Lena!

Sie ist Vegetarierin und ich bin Fleischesserin – und doch sind wir uns bei vielen Punkten einig. Nach einer interessanten Diskussion war die Entscheidung nicht schwer – in diese Richtung können wir zusammen arbeiten, gemeinsam Fragen aus verschiedenen Standpunkten betrachten und Bewusstsein schaffen.

Ich liebe Fleisch – das wird sich auch nicht so schnell ändern – aber ich finde, wir alle und da schließe ich mich selbst nicht aus, könnten viel sorgsamer und bewusster mit der Ressource Fleisch umgehen und in vielen Fällen auch darauf verzichten. Äußerst gespannt bin ich schon auf das vegane Gulasch von Lena und viele andere Rezepte, die wir gemeinsam kochen werden. Mein Favorit auf ihrem Blog: Quinoa-Salat.

Dieses Mal wird jede von uns am Blog der anderen zur Einstimmung 4 Fragen beantworten. Nächstes Mal geht’s schon ab in die Küche. Und ich freue mich schon darauf euch unter anderem von meinem Mehlwurm-Versuch zu erzählen 😉

Unsere 4 Fragen

Hier findet ihr Lena’s Blogpost

  1. Was schätzt du am meisten an der österreichischen Esskultur?

Verena: Man lernt Dinge erst so richtig zu schätzen, wenn man sie nicht mehr hat, so auch mit der österreichischen Esskultur. Man merkt zum Beispiel erst wenn man länger in einem anderen Land wohnt oder sich im Urlaub abseits von den touristischen Gebieten aufhält, wie unterschiedlich es in anderen Ländern ist und was einem fehlt, wenn man es gewohnt ist. Meine beste Vergleichsmöglichkeit ist Schweden, dort habe ich ein halbes Jahr gewohnt.

Was beim Betreten eines schwedischen Supermarktes gleich mal auffällt ist, dass es vergleichsweise wenige Brotsorten gibt. In Österreich gehe ich zum Bäcker oder kaufe im Supermarkt das Brot vom lokalen Bäcker und da weiß ich auch dann, dass es gut ist und eine traumhafte Kruste hat. Außerdem gibt es immer eine große Auswahl an Gebäck. Gestern zum Beispiel hab ich mir ein Vollkorn-Dinkel-Sesam-Croissant gekauft, traumhaft! In Schweden und auch vielen südlichen Ländern gibt es da nur eine vergleichsweise geringe Auswahl, meist nur Weißbrot und Semmerl.

Dasselbe galt auch für Wurst und Fleisch in Schweden. Das Fleisch, dass in einem leistbaren Bereich war, war von sehr minderwertiger Qualität. Da hat oft auch langes Kochen nichts mehr gebracht um es beißbar zu machen 😉 Beim Fleisch hab ich bei uns doch ein besseres Gefühl, wenn ich ins Geschäft oder zum Fleischhauer gehe und zumindest weiß, dass das Tier in Österreich gelebt hat.

Gefühlsmäßig würde ich sagen, dass es uns in Österreich mehlspeisentechnisch sehr gut geht. Ich bin selber kein Fan von Süßem, aber hin und wieder ein Apfelstrudel ist schon was Nettes.

Diesen Wikipedia Artikel finde ich ganz interessant zum Durchstöbern, man vergisst oft, was alles Österreichisch ist!

Weißbrot
Weißbrot.

Lena: Um ganz ehrlich zu sein, habe ich lange Zeit überhaupt gar nichts an unserer österreichischen Esskultur geschätzt. Das Essen war mit zu fettig, zu fleischlastig, zu hektisch und zu langweilig. Seitdem es mein Job ist, unter anderem Touristen unsere Esskultur näher zu bringen und ich ganz viel auf den kulinarischen Spuren Wiens bin bei den Wiener Schmankerl-, Food- und Sinnestouren, habe ich meinen “Vorurteile-Knopf” auf “reset” gedrückt und mich wirklich ganz bewusst und intensiv darauf eingelassen. Und siehe da, auf einmal sehe ich eine ganze Menge toller Dinge!

  1. Ich liebe Wiens Kaffeehäuser und die leckeren Süßspeisen. In kaum einem anderen Land, welches ich bisher bereist habe, habe ich so gute, auch warme Süßspeisen genossen. Angefangen vom klassischen Apfelstrudel, bis hin zu den Marillenknödel, dem Topfenkuchen, bis hin zu den Mohnnudeln und den Nussbeugerln.
  2. Wir haben zumindest eine Esskultur! Viele Menschen, die als BesucherInnen nach Österreich kommen, schätzen unsere Esskultur. Und zwar nicht primär das Essen selber, sondern die Tatsache, dass wir grundsätzlich ganz viele traditionelle Rezepte haben und dass Essen und Trinken ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft ist. In manchen Ländern, wie zum Beispiel in den USA, fehlt dieser Aspekt in manchen Teilen des Landes völlig.
  3. Österreich hat eine wunderbar vielseitige Brotkultur. Brot ist und war immer schon ein sehr wichtiges Gut, ich würde sagen, ein Grundnahrungsmittel, wo die Qualität von gutem Brot hoch geschätzt wird; vor allem dunkles Brot aus Roggen, oder auch Dinkel findet man relativ einfach in den Läden, wo im Vergleich zu manchen Ländern fast nur Weißbrot aus Weizenmehl zu sich genommen wird.

Ich bin schon patriotisch genug, um zu behaupten, dass die Liste hier nicht endet, keine Sorge. Mehr davon folgt aber in den kommenden Beiträgen. 😉

Apfelstrudel
Ein traumhafter Apfelstrudel!

  1. Was sind deine zwei liebsten Gerichte in der österreichischen Küche? Und warum?

Verena: Mein absolutes Lieblingsessen sind BRATWÜRSTL MIT SAUERKRAUT. Da fährt die Eisenbahn drüber. Es ist vermutlich nicht das spektakulärste der österreichischen Fleischgerichte (man denke nur an Schnitzel, Schweinsbraten und Co.), aber ich könnte es ständig essen! Vor allem auch wegen dem genialen Sauerkraut! Und weil es hier gerade dazu passt möchte ich anmerken, dass es Bosna fast nur in Österreich gibt!

Bratwürstel mit Sauerkraut.
Bratwürstel mit Sauerkraut.

Damit ich nicht nur fleischig unterwegs bin, habe ich mich entschlossen, euch meine Lieblingsmehlspeise aus Österreich zu verraten: Der Apfelgitterkuchen meiner Oma. Der ist wahnsinnig saftig!

Lena: KNÖDEL in in allen möglichen, vegetarischen Ausführungen. Geröstete Knödel, Knödel mit Sauerkraut, Kaspressknödel (yuuuuuuuumm), Spinatknödel, Kartoffelknödel und natürlich auch die süßen Knödel. Marillenknödel gewälzt in Brösel mit viiiiiel Schlagobers oder Vanillesauce. Die Brösel aber bitte nur mit Honig und Zimt, so wie es meine Mama immer macht. Und Apfelstrudel. Den selbstgemachten von Bianca. nomnomnom

MOHNNUDELN. Mit Himbeersauce. Und Schlagobers.

  1. Wie oft und in welchem Ausmaß sprichst du mit anderen über (deine) Ernährung? Welche Reaktionen bekommst du von deinem Umfeld darauf wie du dich ernährst? Wie gehst du damit um (sowohl mit positiven als auch negativen Kommentaren)?

Verena: Oft. Interessanterweise haben viele Menschen sehr viele unterschiedliche Meinungen zum Thema Ernährung und man kommt oft auf das Thema zu sprechen (zum Beispiel im Büro; wenn entschieden wirD; wo man Mittagessen geht). Meine Meinung zu unterschiedlichen Ernährungsmythen, die sich in meinem Umfeld beständig halten, spare ich mir jetzt lieber. Da könnte ich viel drüber schreiben 😉

Ich muss sagen auf meine Ernährung bekomme ich selten irgendeine Reaktion (weder positiv noch negativ), da ich mich in den Augen der meisten ÖsterreicherInnen “normal” ernähre. Sehr interessant finde ich, wenn Menschen erfahren, dass meine beiden Schwestern Vegetarierinnen sind, kommt sehr oft die Frage: “Isst wenigstens du Fleisch?” und wenn ich dann ja sage ist das Gegenüber meist sehr erleichtert. Das regt schon zum Nachdenken an.

Erstaunen rufe ich bei vielen hervor, wenn sie erfahren, dass ich sehr selten Süßes esse, weil ich einfach gar keine besondere Lust drauf habe. Schockiert sind dann viele; wenn dann noch rauskommt, dass bei uns zu Hause ungeöffnete Schokoladetafeln ablaufen 😉 (Ich hab natürlich ein anderes Laster: Kartoffelchips!)

Positive Kommentare bekomme ich oft für meine Experimentierfreudigkeit, da wir sehr viel Neues ausprobieren und selten etwas mehrmals kochen (außer Bratwürstel!). Das freut mich natürlich und deswegen schreibe ich auch gerne darüber wenn ein Rezept gelungen ist, das von vorneherein nicht so klar war.

Interessanterweise bin ich oft als Verteidigerin von vegetarischer Lebensweise unterwegs. Nur weil ich mich nicht so ernähre, heißt das nicht, dass ich es nicht nachvollziehen kann oder gut finde. Und wenn dann Meldungen kommen wie “Das bringt doch sowieso nichts.” oder “Da kann man ja gar nichts kochen.” dann muss ich das schon richtig stellen. Gerade in dieser Situation habe ich die Erfahrung gemacht, dass es leicht ist für was zu argumentieren was einen selber gar nicht so betrifft. Dann kann das Gegenüber schlecht sagen: “Du musst ja nur deine Lebensweise rechtfertigen!”. Das zieht bei mir nicht 😉

Lena: Täglich und mit jedem. Nachdem ich vom Wetter gesprochen habe, leite ich das Thema gekonnt auf das Essen.

Nein, Spaß. Das Wetter lasse ich aus.

Ich liebe diese Diskussionen und es interessiert mich brennend, welche Stellung Menschen in meinem Umfeld zu bestimmten Ernährungsthemen beziehen. Ich könnte mich wirklich stundenlang darüber unterhalten, was ich zugegebenermaßen auch oft mache. Aber zur Verteidigung: Es ist auch mein Job. Bei Kochkursen und diversen Foodtouren ist es nicht so abwegig, sich über Ess- und Ernährungsgewohnheiten auszutauschen.

Die Reaktionen sind gut! Meistens zumindest. Den Unterschied merkt man, wenn man sich mit Leuten unterhält, die weltoffen sind und viel reisen im Vergleich zu jenen, die dies nicht tun. Die Ersteren sind stets sehr interessiert und bewundern teilweise, wie ich mich ernähre und wie kreativ ich in der Küche sein kann, wohingegen dies bei manchen auf völliges Unverständnis und Ablehnung führt, da sie glauben, ich ernähre mich nicht “richtig”, weil was ist schon eine Ernährungsweise ohne Fleisch und Fisch?! Und Hühnerfleisch esse ich auch nicht, wobei das eh ganz mageres, helles Fleisch ist!? Ein für alle mal: Fleisch ist Fleisch – auch Fisch und Huhn – und das kommt mir nimma auf den Teller. 😉

Wie ich damit umgehe? Die positiven Gespräche pushen mich total, bestätigen mich in meiner Art, wie ich mich ernähre und geben mir Anreiz für neue Ansichten zu bestimmen Dingen. Die negativen Kommentare pushen mich aber ebenfalls. Sie verstärken sogar noch meine Überzeugungen und ich bin dankbar für jede einzelne Meinung. Manchmal bin ich aber auch, um ehrlich zu sein, genervt über die kurzsichtige Einstellung von manchen Personen. Da versuche ich mich dann, relativ schnell zurückzuziehen, um mir meine Energie aufzusparen. Ich will niemanden bekehren, höchstens Denkanstöße liefern, und genauso wenig will ich aber selber bekehrt werden.

  1. Welche Gerichte/Ernährunsgweisen kennst du aus anderen Ländern, die du gut findest?

Verena: Ich bin noch nicht so weit herumgekommen wie Lena (ich habe noch nicht mal Europa verlassen!) aber ich habe auch schon einige andere Länder besucht.

Bulgarien hat mich bei meinem Besuch positiv überrascht. Ganz typisch sind Baniza (https://de.wikipedia.org/wiki/Baniza), ein sehr leckeres Brot und bulgarisches Joghurt, das oft getrunken, oder als Suppe zu sich genommen wird! Dort habe ich auf einer Foodtour auch viel darüber erfahren, wie Essgewohnheiten und traditionelle Gerichte geschichtlich entstanden sind, das würde mich in anderen Ländern auch sehr interessieren.
Bulgarische Köstlichkeiten
Bulgarische Köstlichkeiten

Die Frage lautet ja, was ich gut finde, deshalb sind die USA eigentlich ein schlechtes Beispiel. Aber ich finde die Werbungen, die wir wöchentlich beim NFL (American Football) schauen; sehen schon eher abschreckend und freue mich dann, dass ich in Europa lebe. Dort sieht man hauptsächlich Pizzen und Burger oder eine Kombination davon. Und die Fast Food Restaurants sind so spottbillig, dass man echt nicht wissen möchte, was in dem Zeug drinnen ist.

In Kroatien und Italien liebe ich Meeresfrüchte, die sind dort um Vielfaches besser als bei uns!

Oft ist es gar nicht so leicht, ein Land kulinarisch kennen zu lernen. Viele Lokale in den Hauptstädten haben dann doch eher Speisen, die Touristen von überall kennen. Ich habe schon oft von dem angeblich schwedischen Gericht “Fliegender Jakob” gehört, doch niemand in Stockholm konnte mir sagen wo wir das essen könnten. Schade! Zimtschnecken und Fleischbällchen gibt es dort dafür in jeder Variation und an jeder Ecke 😉

Eine waschechte Zimtschnecke (vh)
Eine waschechte Zimtschnecke

Lena: Eins vorweg: Seitdem ich reise, habe ich meine Einstellung zu unserer westlichen, im Besonderen zur österreichischen Küche geändert und bin ein Stück weit abgerückt von meiner Meinung, dass nur wir ÖsterreicherInnen so üppig und fettig und fleischlastig essen. Stimmt bis zu einem gewissen Grad auch, das kann man nicht leugnen, dennoch finde ich, dass JEDES Land und JEDE Kultur Gewohnheiten hat, die zum einen gut, zum anderen fraglich sind. Ich liebe die asiatische, vor allem vietnamesische Küche, da die Gerichte alle sehr frisch und leicht sind wegen des frischen Gemüses und der Kräuter. Ich mag die Tischkultur der Franzosen, so, wie sie das Essen zelebrieren. Ich schätze die orientalische Küche mit all den vielen Gewürzen und natürlich stehe ich total auf das Futtern von exotischen Früchten, die in anderen Ländern heimisch sind und vor Ort einfach 1000 Mal besser schmecken wie zuhause. In Bali, zum Beispiel, war es jedes Mal wieder eine Freude, eine frisch geerntete, saftige Kokosnuss zu naschen.

Exotische Früchte.
Exotische Früchte.

Jetzt habt ihr uns kennen gelernt!

Jetzt konntet ihr uns beide ein bisschen kennen lernen. Wir mögen viele unterschiedliche Gerichte und Zutaten und trotzdem denke ich, dass wir gemeinsam tolle Sachen kochen können.
Falls ihr ähnlich gesinnt seid könnt ihr euch nun jeden Monat auf viele österreichische Rezepte auf unseren Blogs freuen. Ich bin schon gespannt was wir tolles zaubern werden!

Das schöne Titelbild haben wir auf pixabay gefunden.

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